|
Andreas Armbruster als letzter Mohikaner
ATC-Meldung für Jugend-Kreismeisterschaften 2008 auf absolutem Tiefpunkt
Die Meldeliste des ATC für die Jugend-Kreismeisterschaften 2008 des TK Fulda auf der Anlage des TC BW Hünfeld vom 30. April bis 4. Mai 2008 hat leider ihren absoluten Tiefpunkt erreicht: Mit Andreas Armbruster, der im Team-Tennis 2008 für die Herren des ATC an den Start geht und in seiner letzten Saison als Jugendlicher nochmals für Grün-Weiß Fulda aufschlägt, hat gerade noch ein einziger Teilnehmer seine Meldung abgegeben. Juniorinnen leider gänzlich Fehlanzeige.
Man muss viele Jahre zurück blicken, als der ATC noch mit 15 und mehr Meldungen glänzte. Endrunden-Teilnahmen gab es nicht selten zu feiern und sogar die eine oder andere Kreismeisterschaft war drin. Namen wie Marcel Vietor und Ralph Rockel sind Insidern dabei nur zu gut in Erinnerung. Ein allmählicher Rückgang über die Jahre mündete jetzt in den rapiden Absturz auf eine einzige klägliche Meldung.
Die Gründe sind vielschichtig. Mit dem frühen Saison-Termin fängt es an. Seit Jahren müssen die Jugendlichen ihre Kreismeister ermitteln, ehe auch nur ein einziger Ball im Team-Tennis (früher Medenrunde)geschlagen worden ist. Direkt aus der Halle kommend oder vielleicht sogar ganz ohne Hallentraining, ist die Umstellung auf gerade hergerichtete weiche Ascheplätze natürlich nicht leicht. Aber dieses Problem trifft alle gleichermaßen. Es sei denn, man hat den „Luxus" von Kunstrasenplätzen wie der ATC und kann sich schon etwas früher an die Freiluft-Atmosphäre gewöhnen.
Den Termin-Planern ist auch nur bedingt ein Vorwurf zu machen. Kreismeisterschaften müssen als Qualifikation naturgemäß vor den Bezirksmeisterschaften liegen. Neben diesen Terminen bleiben in der neuen Saison bis zu den sehr früh beginnenden Sommerferien (20. Juni!) gerade mal drei Wochenenden für Team-Tennis übrig. Mehr gibt der Kalender nicht her. Bis maximal fünf Spieltage müssen somit nach den Sommerferien untergebracht werden. Mühe genug bereitet es den Vorständen, nach der Punktrunde im September noch die Termine für Clubmeisterschaften o.ä. zu finden, will man das Tabu der Sommerferien nicht ankratzen.
Himmelfahrt (gleichzeitig Maifeiertag!)trägt sicherlich auch dazu bei, den Tennisgedanken ad acta zu schieben und einem langen Wochenende mit Familienausflug den Vorzug zu geben. Genaue Spieltermine sind bei Tennisturnieren im Vorhinein zwangsläufig völlig offen. Bei entsprechender Spielstärke muss man sich als Elternteil theoretisch von Mittwoch bis Sonntag zur Verfügung halten, um Sohn oder Tochter zum Spielort nach Hünfeld zu bringen. Da ist es oft nur zu verständlich, wenn das Pendel beim Abwägen der Interessen halt in die andere Richtung ausschlägt. Von den Benzinkosten mal ganz zu schweigen.
Das sind sicher allein schon genügend Gründe, um „Verständnis" für die Nichtteilnahme von Spielern oder Spielerinnen aufzubringen. Auf der anderen Seite aber kann es für einen talentierten Spieler auf der Erfolgsleiter nur dann aufwärts gehen, wenn die ersten Schritte unter Einsatz von Zeit, Geld und entsprechendem Enthusiasmus in Angriff genommen werden. Andere Interessen müssen dann wohl oder übel mal zurückgestellt werden. Man könnte die Philosophie weiter betreiben und sich fragen, warum unter den 16 Spielerinnen im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers allein 8 Spielerinnen aus osteuropäischen Ländern kommen!?!
Zugegeben, der Gedanke ist weit hergeholt, auch wenn er im Kern genau die richtigen Ursachen trifft. Zurück zur heimischen Wirklichkeit. Vorstand, Trainer und Jugendwart können sich nur redliche Mühe geben und müssen im Übrigen die Gegebenheiten einfach akzeptieren. Wenn auch immer häufiger schon resignierend.
Walter Märkel (ATC-Jugendwart)
|